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    Lokale Sichtbarkeit für Kanzleien: Google-Unternehmensprofil und Bewertungen richtig nutzen

    Lokal gefunden werden: Wie Kanzleien mit Google-Unternehmensprofil und echten Bewertungen neue Mandant:innen gewinnen.

    Karyna Kravchuk, Marketing & Growth
    Lokale Sichtbarkeit für Kanzleien: Google-Unternehmensprofil und Bewertungen richtig nutzen

    Warum Sie online gefunden werden müssen

    Wenn heute jemand eine Kanzlei sucht, beginnt die Suche fast immer am Handy oder am Laptop. Die Leute tippen etwas wie „Anwalt in der Nähe" oder „Kanzlei Familienrecht Berlin" bei Google ein und schauen, was oben erscheint. Wer dort nicht auftaucht, existiert für viele Suchende schlicht nicht, egal wie gut die Arbeit in der Kanzlei ist.

    Wie stark sich das Verhalten verschoben hat, zeigt eine Umfrage unter rund 4.000 Privatpersonen in Deutschland. Demnach führt bei etwa 65 Prozent der Mandant:innen der erste Weg ins Internet, während nur noch jede fünfte Person zuerst Familie oder Bekannte fragt. Die persönliche Empfehlung ist also nicht mehr der wichtigste Weg, auf dem Menschen eine Kanzlei finden. Das Netz hat sie überholt.

    Gleichzeitig ist die Konkurrenz groß. In Deutschland sind knapp 166.000 Rechtsanwält:innen zugelassen. Sichtbar zu sein, entscheidet deshalb oft darüber, wer angerufen wird und wer nicht. Die gute Nachricht: Sie brauchen dafür kein großes Budget und keine IT-Kenntnisse. Das wichtigste Werkzeug ist kostenlos, und Sie können es selbst einrichten. Dieser Beitrag zeigt Schritt für Schritt, wie es geht.

    Das Google-Unternehmensprofil: Ihre digitale Visitenkarte

    Das Google-Unternehmensprofil ist der Eintrag, der rechts neben den Suchergebnissen und auf der Karte erscheint. Dort stehen Ihr Name, Ihre Adresse, Ihre Telefonnummer, Ihre Öffnungszeiten, Fotos und die Bewertungen. Es ist kostenlos und gehört zu den wirksamsten Mitteln, um lokal gefunden zu werden.

    Stellen Sie sich das Profil wie eine Visitenkarte vor, die jeder sehen kann, der nach Ihnen oder nach einer Kanzlei in Ihrer Stadt sucht. Eine leere oder veraltete Visitenkarte macht keinen guten Eindruck. Eine vollständige und gepflegte dagegen schafft sofort Vertrauen. Und das Beste daran: Sie bestimmen selbst, was darauf steht.

    Wichtig: Das Profil ist nicht Ihre Website. Es ist ein eigener Eintrag direkt bei Google, mit Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten, Fotos und Bewertungen. Beides ergänzt sich: Das Profil macht Sie lokal sichtbar, die Website liefert die ausführlichen Informationen.

    Was „lokale Sichtbarkeit" bedeutet

    Lokale Sichtbarkeit heißt einfach: weit oben zu stehen, wenn jemand in Ihrer Nähe nach einer Kanzlei sucht. Bei vielen Suchanfragen zeigt Google ganz oben eine kleine Karte mit drei Einträgen. Diese Box speist sich direkt aus Google Maps und den Unternehmensprofilen, sie ist also kein Teil Ihrer Website, sondern zeigt die Profile von Kanzleien in der Umgebung. Sie ist besonders wertvoll, denn die meisten Menschen klicken auf einen der ersten Treffer und scrollen selten weit nach unten.

    Ob Sie in dieser Box erscheinen, hängt vor allem von drei Dingen ab: wie nah Ihre Kanzlei am Standort der suchenden Person ist, wie gut Ihr Eintrag zur Suche passt und wie gepflegt und vertrauenswürdig Ihr Profil wirkt. Auf die ersten beiden Punkte haben Sie nur begrenzt Einfluss. Den dritten haben Sie komplett selbst in der Hand, und genau darum geht es hier.

    Wichtig zu wissen: Ein großer Teil dieser Suchen passiert unterwegs am Handy. Jemand sitzt in der Bahn, hat ein Problem und sucht sofort nach Hilfe in der Nähe. Wer dann mit einem klaren Profil, einer Telefonnummer und guten Bewertungen erscheint, hat den ersten Kontakt fast schon gewonnen.

    Schritt für Schritt: Profil einrichten und vervollständigen

    So richten Sie Ihr Profil ein und holen das Meiste heraus:

    1. Profil beanspruchen und bestätigen. Suchen Sie nach Ihrer Kanzlei bei Google. Oft gibt es schon einen Eintrag. Übernehmen Sie ihn über „Als Inhaber eintragen" und bestätigen Sie, dass die Kanzlei Ihnen gehört. Erst danach können Sie alles bearbeiten.
    2. Name, Adresse und Telefonnummer überall gleich halten. Diese Angaben sollten auf Ihrer Website, im Profil und in jedem Verzeichnis exakt übereinstimmen. Schon kleine Unterschiede, etwa „Str." an einer Stelle und „Straße" an einer anderen, können Google und Menschen verwirren.
    3. Die richtige Kategorie wählen. Tragen Sie Ihre Hauptkategorie passend ein, zum Beispiel „Rechtsanwaltskanzlei", und ergänzen Sie Ihre Schwerpunkte. Die Kategorie entscheidet darüber, bei welchen Suchen sie überhaupt auftauchen.
    4. Öffnungszeiten und Leistungen pflegen. Halten Sie die Zeiten aktuell, auch an Feiertagen, und listen Sie auf, womit Sie Mandant:innen helfen. Falsche Öffnungszeiten sind einer der häufigsten Gründe für Frust.
    5. Gute Fotos hochladen. Ein freundliches Bild vom Team, vom Eingang und von den Räumen wirkt persönlicher und vertrauenswürdiger als ein leeres Profil. Menschen möchten sehen, zu wem sie gehen.
    6. Eine kurze Beschreibung hinzufügen. Erklären Sie in einfachen Worten, wofür Ihre Kanzlei steht und wem Sie helfen. Verzichten Sie auf komplizierte Fachbegriffe.

    Je vollständiger Ihr Profil ist, desto besser. Vollständige Profile werden häufiger angezeigt und wirken auf Suchende deutlich überzeugender als halbfertige.

    Bewertungen: der größte Vertrauensfaktor

    Bewertungen sind der Punkt, der oft über die Entscheidung bestimmt. Sie wirken doppelt: Sie helfen Ihnen, weiter oben zu erscheinen, und sie überzeugen Menschen, die zwischen mehreren Kanzleien schwanken.

    Wie stark Bewertungen wirken, zeigen Zahlen aus der Verbraucherforschung. Laut der Local Consumer Review Survey von BrightLocal lesen rund 93 Prozent der Verbraucher Online-Bewertungen, bevor sie ein Unternehmen besuchen. Etwa 81 Prozent schauen sich gezielt die Google-Bewertungen an, 95 Prozent vertrauen einem Unternehmen mit vielen Bewertungen eher als einem mit nur wenigen, und 74 Prozent prüfen sogar mindestens zwei verschiedene Quellen, bevor sie sich entscheiden.

    Interessant ist dabei: Eine perfekte Bewertung ist gar nicht das Ziel. Eine Untersuchung des Spiegel Research Center der Northwestern University zeigt, dass ein Durchschnitt zwischen 4,2 und 4,5 Sternen am vertrauenswürdigsten wirkt, weil eine glatte 5,0 für viele Menschen zu schön klingt, um echt zu sein. Ein paar kritische Stimmen machen Ihr Profil also glaubwürdiger, nicht schwächer. Das nimmt den Druck, perfekt sein zu müssen.

    So bekommen Sie mehr echte Bewertungen

    Die meisten zufriedenen Mandant:innen schreiben von sich aus keine Bewertung. Nicht, weil sie unzufrieden sind, sondern weil sie nicht daran denken. Deshalb dürfen und sollten Sie freundlich darum bitten.

    Ein paar einfache Tipps:

    • Fragen Sie im richtigen Moment. Am besten dann, wenn ein Anliegen gut abgeschlossen ist und die Zufriedenheit frisch ist.
    • Machen Sie es leicht. Schicken Sie einen direkten Link zur Bewertung per E-Mail oder legen Sie einen QR-Code aus. Je weniger Klicks nötig sind, desto eher passiert es.
    • Bleiben Sie ehrlich. Bitten Sie um echte Rückmeldungen, egal ob gut oder kritisch. Kaufen Sie niemals Bewertungen und erfinden Sie keine. Gefälschte Bewertungen fliegen auf, schaden Ihrem Ruf und sind nicht erlaubt.

    Wichtig ist auch, dass regelmäßig neue Bewertungen dazukommen. Viele Menschen achten vor allem auf die neuesten Stimmen und auf Bewertungen aus dem letzten Monat. Ein Eintrag, dessen letzte Bewertung zwei Jahre alt ist, wirkt schnell verlassen, selbst wenn der Durchschnitt gut ist. Ein gleichmäßiger Fluss an Rückmeldungen ist deshalb wertvoller als eine einzige Welle.

    Richtig auf Bewertungen reagieren

    Antworten Sie auf Bewertungen, am besten auf alle. Das zeigt, dass hinter der Kanzlei echte Menschen stehen, die zuhören. In Umfragen geben über 80 Prozent der Menschen an, dass Unternehmen auf alle Bewertungen reagieren sollten.

    Bei guten Bewertungen reicht ein kurzes, freundliches Dankeschön. Bei kritischen Bewertungen ist die Antwort besonders wichtig, denn andere lesen mit und achten genau darauf, wie Sie mit Kritik umgehen. Eine ruhige, sachliche Antwort kann aus einer schlechten Bewertung sogar einen Pluspunkt machen, weil sie zeigt, dass Sie Probleme ernst nehmen.

    Ein Punkt ist dabei entscheidend: Geben Sie in einer öffentlichen Antwort niemals Details zu einem Fall oder zu einer Person preis. Sie sind zur Verschwiegenheit verpflichtet, und eine ausführliche öffentliche Antwort kann mehr schaden als die ursprüngliche Kritik. Bedanken Sie sich für die Rückmeldung, bleiben Sie freundlich und bieten Sie an, das Thema in einem persönlichen Gespräch zu klären. Diese kurze, höfliche Form passt fast immer.

    Diese Fehler kosten Sichtbarkeit

    Ein paar typische Fehler tauchen immer wieder auf. Wer sie vermeidet, ist schon weiter als viele andere:

    • Unterschiedliche Angaben im Netz. Wenn Adresse oder Telefonnummer überall anders stehen, schadet das dem Vertrauen und der Sichtbarkeit.
    • Ein leeres oder veraltetes Profil. Fehlende Fotos, falsche Öffnungszeiten oder keine Beschreibung wirken unprofessionell.
    • Die falsche Kategorie. Wer sich nicht klar einordnet, wird seltener bei passenden Suchen angezeigt.
    • Bewertungen ignorieren. Keine Antworten zu geben, wirkt teilnahmslos und verschenkt Vertrauen.
    • Gefälschte Bewertungen. Das größte Risiko, weil es den Ruf dauerhaft beschädigen kann.

    Keiner dieser Fehler ist schwer zu vermeiden. Es reicht, das Profil einmal in Ruhe richtig aufzusetzen und danach im Blick zu behalten.

    Dranbleiben: Sichtbarkeit ist kein einmaliges Projekt

    Ein gepflegtes Profil ist keine Sache, die man einmal erledigt und dann vergisst. Aktualisieren Sie Ihre Angaben, wenn sich etwas ändert, posten Sie hin und wieder eine kleine Neuigkeit und behalten Sie Ihre Bewertungen im Blick.

    Google zeigt Ihnen im Profil auch eine einfache Statistik an: Wie oft wurde Ihr Eintrag angesehen? Wie viele Personen haben angerufen oder Ihre Website besucht? Wie oft wurde nach dem Weg gesucht? Diese Zahlen verraten Ihnen, was funktioniert. Wenn die Anrufe nach mehr Fotos oder neuen Bewertungen steigen, sehen Sie schwarz auf weiß, dass sich der Aufwand lohnt. So wird aus einem Bauchgefühl eine Entscheidung auf Basis echter Zahlen.

    Quellen

    1. BrightLocal, Local Consumer Review Survey 2025 (Verbraucherverhalten bei Online-Bewertungen)
    2. Spiegel Research Center, Northwestern University (Studie zur Wirkung von Sternebewertungen)
    3. anwalt.de-Umfrage 2021 unter rund 4.000 Privatpersonen, veröffentlicht bei Legal Tribune Online (LTO)
    4. Statista / Bundesrechtsanwaltskammer (Anzahl der zugelassenen Rechtsanwält:innen in Deutschland)

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